Geschichte_14
Der große KahlschlagEinen traurigen Höhepunkt dieser Entwicklung gab es dann 1979, als die Flucht von Piloten der GST zum Anlass genommen wurde, den Flugsport erstmals in der DDR generell zu untersagen und mehr als 50% der DDR-Segelflugplätze stillzulegen. Auch der Flugplatz Böhlen wurde davon betroffen. Im Bezirk Leipzig betraf das auch noch die Flugplätze Schkeuditz und Oschatz.
Diese Entscheidung wurde zentral festgelegt. Die Fragen der Flieger nach dem „Warum?“ wurden nicht oder nur ausweichend beantwortet. Der Flugplatz wird erhalten, er wird nur „vorübergehend“ nicht betrieben, war die grundsätzliche Aussage hauptamtlicher Funktionäre der übergeordneten GST-Vorstände.
Wer nach erneuter kaderpolitischer Überprüfung wieder fliegen durfte, konnte auf den Flugplätzen Taucha und Roitzschjora ab 1981 weiter fliegen, deren Weiterbetrieb mit hauptamtlicher Besetzung genehmigt wurde. Einige Böhlener Flieger erhielten keine Genehmigung wieder zu fliegen, einige lehnten es auch ab auf anderen Flugplätzen tätig zu werden. Einige flogen ab 1981 auf dem Flugplatz in Taucha weiter, die Segelflugzeuge, Schleppwinden, Fahrzeuge, Hänger und Bodengeräte mussten umgesetzt werden. Die noch aktiven Flieger mussten Baustunden und Einsätze für die Vorbereitung, Sicherung und Durchführung des Flugbetriebes der Flugplätze einsetzen, an denen sie weiter fliegen durften.
Die Segelflugwerkstatt, die sich die Segelflieger mit Hilfe des Werkes in der ehemaligen Gleichrichterhalle in Großdeuben eingerichtet hatten, wurde weiter durch die Flieger genutzt. Die Gebäude auf dem Flugplatz Böhlen benutzte die Bezirksorganisation der GST Leipzig nur noch als Unterstellmöglichkeit für ausgediente Technik. Die Gebäude, an denen die Segelflieger vorher Jahr für Jahr Instandhaltungsarbeiten leisteten wurden ab 1980 durch die Bezirksorganisation der GST zwar weiter genutzt, ja sogar teilweise anderen staatlichen Dienststellen die Mitnutzung gestattet, aber keine Mark und Stunde für deren Instandhaltung aufgebracht. Die Flieger demontierten noch den Bungalow, den sie für gemütliche Stunden mit ihren Familienangehörigen eingerichtet hatten, um wenigsten dessen Einrichtungen vor Diebstahl zu retten. Es hatte 1980, als der Platz nicht mehr genutzt wurde, Einbrüche gegeben.
Der Bungalow war entstanden aus den Teilen der auf den Flugplatz Espenhain (nach dessen Schließung durch den Bau des Kraftwerkes Tierbach und Tagebaufortschritt) abgerissenen kleinen Flugleitungsbaracke (die Espenhainer/Bornaer Segelflieger hatten sie aus den Teilen eines Betriebswachehäuschen errichtet) Die Hoffnung wieder in Böhlen fliegen zu können schwand immer weiter, der Zustand der Gebäude wurde immer schlechter.
Damit wurde die Akte „Böhlener Flugplatz“ zunächst gewaltsam geschlossen.


