Geschichte_21

Flugschüler “Piefke“ erhält Gefahreneinweisung!

Bevor ein Mensch das erste Mal alleine fliegt im Weltenall, wird er mit allen Raffinessen den Luftgefahren angemessen. Die Fliegerei in diesem Rahmen hat einen ganz speziellen Namen voll akrobatischer Verheißung: nennt man sie kurz Gefahrene in weisung!

Der Lehrer sagt zu Piefke nur: „Du fliegst jetzt mit auf Kunstflugtour, und bleibst mir ständig frisch und munter, ganz gleich, ob‘s rauf geht oder runter.“ .‚Schnall‘ deine Gurte richtig an, weil es Dir sonst passieren kann, daß dir der Blinddarm rutscht zur Seite, samt manchen andern Eingeweide“.

Der Pielke tut‘s und voller Freuden sieht er beim Start sich aufwärts gleiten. Er denkt: “Das alles ist nur Prahlerei. in Wirklichkeit ist nichts dabei, denn wenn es kracht geht ohne Zweifel auch der Herr Lehrer mit zum Teufel“. Sobald der Hochstart ist beendet, der Lehrer sich zum Kunstflug wendet. Erst wird das Flugzeug angedrückt - hier lächelt Pietke noch entzückt, doch dann, bei 130 Sachen, vergeht sein arrogantes Lachen, denn in demselben Augenblick geht Piefkes Knüppel jäh zurück.

Wer jemals hat Physik studiert, der weiß, was Piefke nun passiert, der Fliehkraft Wucht zerrt mit Urgewalt an Piefkes Idealgestalt, sein Rundkopf wird mit einem Male zu einem länglichen Ovale, leer wird‘s in seinem armen Hirne, die Augen quellen aus der Birne, und tausend bunte Himmelssterne erscheinen deutlich in der Ferne.
Des Piefkes Frohsinn ist entschwunden, sein halber Magen rutscht nach unten und wo sonst sichere Erdenschwere, herrscht plötzlich Ubelkeit und Leere.

Man schießt empor gleich einem Pfeile - doch nur für eine kurze Weile, langsam verstummt das feine Sausen am Rumpf und an den Flächen draußen, dann geht im nächsten Augenblick der Staudruck bis auf Null zurück und wo sonst 100 kmlh ist plötzlich keine Fahrt mehr da.

Die Welt ist ruhig, man steht am Fleck, und jeder Steuerdruck ist weg, in dieser bösen Schreckminute wird‘s Piefke schwummerig zumute, denn plötzlich denkt der arme Wicht an seinen letzten Unterricht, wo man ihm sagte was passiert, wenn man die letzte Fahrt verliert! Er weiß: Die Lage ist besch... ‚ weil seine Strömung abgerissen, denn es fehlt das muntere Spiel von Druck und Sog rund ums Profil. Und oft schon hat man ihm erzählt was nachfolgt, wenn der Auftrieb fehlt

Und siehe da, zur gleichen Zeit wird Theorie nun Wirklichkeit, denn in den folgenden Sekunden, da schießt sein Flugzeug steil nach unten und er erkennt zu seiner Qual, der Horizont steht vertikal.
Der Blickpunkt ist davongeschwommen, die letzte Klarheit ist genommen, er sieht nur noch in dieser Haltung die nahe Krankhausverwaltung.

Als dann der Lehrer reichlich spät - zum Normalflug - wieder übergeht, hoffi Piefke. daß der Flug beendet und man sich nun zur Landung wendet. Doch gleich darauf merkt er bereits, dies war ein Irrtum seinerseits weil viele andere Gefahren noch gar nicht durchgenommen waren.

Die hochgezogene Steigflugkehre gehört auch zur Gefahrenfluglehre. Der Messerflug, das Seitwärtsslippen und kalifornisches Riesenslippen gehören zum Lehrplan, sowieso, laut Luftgesetz und SBG.

Als nun die Kurbelei begann, da strengt sich Piefke mächtig an, um all den Fliehkraft -Urgewalten mit seinem Körper standzuhalten. Die ersten flachen Kurvenlagen bereiten ihm kein Unbehagen. Doch als der Winkel steiler wird, er langsam jeden Halt verliert. Und nach den 75. Grade klebt er vorn drin wie eine Tomate.
Die Fliehkraft presst die Eingeweide und schiebt den Blinddarm auf die Seite, die Backen eine nach der andern, versuchen seitlich abzuwandern. Der Piefke wird zur Wand gedrückt, sein Innenleben ist geknickt, und in des Sturzflugs letzter Phase entleert sich seine Kunstflugblase

Nach 5 Minuten Kurbelei ist der Gefahrenflug vorbei. Der Lehrer endet seine Mätzchen und schwebt ganz ruhig zum Landeplätzchen. Dort räumt der Piefke die Maschine mit blasser ausdrucksloser Miene. Er lehnt sich an des Rumpfes Rand, um zu verbessern seinen Stand.

Doch auf der Freunde Fragerei, da sagt er stolz: S´war nichts dabei!“